Das Winter-Wildkraut köstlich verpackt
Im Winter gibt es nur wenige Wildkräuter in unseren Breitengraden, die lecker schmecken und oft vorkommen: die Vogelmiere darf hier sicherlich an erster Stelle stehen. Es handelt sich um eine einjährige, oft überwinternde Pflanze, die unter günstigen Bedingungen nahezu ganzjährig wachsen kann. Besonders in milden Wintern ist sie eines der wenigen frischen Wildkräuter, die zuverlässig zur Verfügung stehen. Ihre Zeit ist besonders dann, wenn andere Pflanzen Pause machen.
In diesem Beitrag erkläre ich dir wie du sie erkennst und am Ende findest du ein besonderes Rezept mit ihr.
PFLANZENPORTRAIT: VOGELMIERE
- Die Vogelmiere (Stellaria media) gehört zur Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).
- Die Pflanze wächst niederliegend bis leicht aufsteigend und bildet dichte Teppiche. Der Stängel ist dünn, hellgrün und weist ein charakteristisches Merkmal auf: Er besitzt meist nur eine einzelne Haarlinie, die sich längs am Stängel entlangzieht, nach jedem BLattpaar versetzt. Dieses Detail ist mit der Blattstellung ein entscheidendes Detail um Vogelmiere sicher zu erkennen und von anderen Arten aus der Gattung Stellaria zu unterscheiden.
- Die Blätter sind eiförmig bis oval, weich, dünn und saftig. Sie enden stets in einer kleinen, klar erkennbaren Spitze. Besonders wichtig ist die Blattstellung: Die Blätter stehen kreuzweise gegenständig, das heißt, jeweils zwei Blätter stehen sich gegenüber, das nächste Paar ist um 90 Grad versetzt. Dieses Merkmal ist ein sehr zuverlässiges Bestimmungszeichen.
- Die Blüten der Vogelmiere sind klein, weiß und bestehen scheinbar aus zehn Blütenblättern. Botanisch korrekt handelt es sich um fünf Kronblätter, die tief eingeschnitten sind. Sie erinnern an einen Stern, daher auch der Gattungsname Stellaria von lat. stelle (Stern).
- Vogelmiere ist eine klassische Kulturfolgerin. Sie wächst dort, wo der Boden offen, nährstoffreich und regelmäßig gestört ist. Typische Fundorte sind Gärten, Beete, Ackerränder, Wegränder und Brachen. Besonders häufig ist sie auch in der Nähe von Kompost oder auf humusreichen Böden zu finden. Schaut auch mal in brachliegende Balkonkästen oder Töpfe im Garten - hier keimt sie ebenso gerne.
- Die Sammelzeit ist ungewöhnlich lang. In milden Wintern wächst Vogelmiere nahezu durchgehend. Besonders ergiebig ist sie im Spätherbst, Winter und zeitigen Frühjahr, wenn viele andere Wildkräuter nicht verfügbar sind. Gesammelt werden die oberen, zarten Triebe.
- Vogelmiere schmeckt nach jungem Mais, der Duft erinnert an junge Erbsen. Sie schmeckt krautig, frisch, süßlich und eben maisartig.
Von links nach rechts: Haarlinie am Stängel, Blattstellung der Vogelmiere, Blüte der Vogelmiere
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DAS STECKT IN DER VOGELMIERE
- Die Vogelmiere hat kaum Kalorien, ca. 15 g auf 100 kcal. Sie macht uns also nicht satt, liefert aber ansonsten ein paar wertvolle Stoffe, vor allem einige Spurenelementen.
- Eisen: 4,6 mg, Zink: 0,9 mg, Kuper: 0,2 mg, Kalium: 580 mg, Vitamin C: 50-100 mg, Carotinoide: 380 ug
- Saponine, die in großen Mengen schädlich wirken können. Es gibt bei der Vogelmiere aber keine Nachweise, dass jemals "Vergiftungen" beim Menschen aufgetreten sind.
Möglicherweise problematisch:
- sehr große Mengen roh, regelmäßig und konzentriert (z. B. täglich große Schüsseln ausschließlich aus Vogelmiere)
- empfindliche Personen mit sehr sensibler Verdauung, Reizdarm, Kleinkinder in großen Mengen
- Insgesamt ist die Vogelmiere also ein gesundes Wildkraut mit tollem Geschmack.
Quelle: Souci/Fachmann/Kraut, "Lebensmitteltabelle für die Praxis", Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, 3. Auflage, 2004 I Waldsamkeit
REZEPT FÜR DEN LAUWARMEN WINTERSALAT MIT VOGELMIERE, MAIS UND ROSENKOHL
Hier kommt mein neues Rezept für dich. Erprobt und lecker. Ich wünsche dir viel Spaß beim Rausgehen und Suchen, beim Sammeln und natürlich beim Zubereiten.
DEINE ZUTATEN:
1/2 Dose Mais
1/2 mittelgroße, rote Zwiebel
1 kleine Schüssel Rosenkohlblätter
3-4 Handvoll Vogelmiere (je nach Handgröße)
1/4 knackige, süße Birne oder Apfel
1 Handvoll Haselnüsse (z. B. von WALDIS Haselnüsse aus Bayern. Die leckersten Haselnüsse in Bio-Qualität)
optional ein kleines Stück Peperoni
3 EL Orangensaft
1,5 EL Olivenöl
1-2 TL Ahornsirup (oder Honig nach Geschmack)
1/4 TL Senf
1 EL Apfelessig
1/4 TL Salz
Pfeffer
ZUBEREITUNG:
- Vogelmiere waschen, trocken schütteln und grob schneiden. ca. 1 cm Stücke. Zwiebel in feine Ringe schneiden. Mais abtropfen lassen. Rosenkohlblätter vorbereiten. Birne in sehr feine Spalten schneiden. Nüsse hacken.
- Für das Dressing Orangensaft, Essig, Olivenöl (Haselnussöl ist auch super übrigens), Salz, Pfeffer, Senf, Ahornsirup verquirlen.
- Bratöl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebel dünsten, Mais dazu geben und beides braten, so dass der Mais etwas Farbe annimmt.
- Rosenkohl hinzugeben und für 2 Minuten unter Rühren mitbraten.
- Platte ausstellen. Die Vogelmiere nur kurz unterheben, so dass sie zusammenfällt, sofort von der Hitze wegnehmen.
- 1/2 vom Dressing hinzugeben und unterrühren. Der Rest kann beim Servieren dazugestellt werden zum Nachwürzen. Dann die Birne unterheben.
- Alles auf einen Teller geben oder eine Schüssel. Ich habe es direkt angerichtet.
- Die Pfanne reinigen und etwas Öl hineingeben. Dann die Nüsse darin nicht zu heiß braten, bis sie duften und etwas gold-braun werden. Eine Prise Salz hinzugeben.
- 3/4 der Nüsse auf dem Salat verteilen und zum Rest die Pepronistückchen geben und kurz mitbraten. Diese kamen dann separat auf den Tisch, so kann jeder entscheiden.
- Mit frischer Vogelmiere dekorieren.
- Schmecken lassen. ♥
TIPP: die Vogelmiere schmeckt am besten frisch oder nur kurz erhitzt. Ansonsten verliert sie ihr tolles Aroma! Auf Vorrat gesammelt hält sie im Kühlschrank einige Tage. Dafür einfach waschen, abtropfen lassen und dann in eine Tupperbox oder ein Glas geben. Ich lasse immer den Deckel ein wenig offen. So hält sie sich problemlos mehrere Tage.
Ich wünsche Dir viel Freude beim Sammeln, Zubereiten und Genießen!
Ich bin Tine, Wildkräuterexpertin und leidenschaftliche wilde Hobby-Köchin, die am liebsten alles selbermacht, was nur geht. Mein Fokus dabei sind natürlich die Pflanzen.
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